Urania Logo
Stern Icon
Stern Icon
Stern Icon

Warum wir Puppentheater machen?

Ivonne:

Theater ist für mich wie eine Sucht: Man liebt es innig und würde es um nichts in der Welt aufgeben, man hasst es, wenn es einmal nicht so gut läuft, schwört sich, nie wieder auf die Bühne zu gehen und nimmt dann doch wieder sämtliche Unannehmlichkeiten in Kauf, um diesen einen Moment gemeinsam mit seinem Publikum zu erleben. Und es ist schier unglaublich, mit welch kreativen Einfällen die Kinder unsere Vorstellungen bereichern, mit welcher Energie die Kleinen bei der Sache sind. Und wenn man dann vor die Bühne tritt, um sich von seinem Publikum zu verabschieden, einen strahlende Kinderaugen anschauen und kleine Patschehändchen sich dir reichen, um sich zu bedanken, dann weiß man wieder, warum man nichts lieber auf der Welt machen möchte als Puppentheater spielen.

Micha:

Warum ich Puppenspieler bin und wie ich es wurde? Der entscheidende Tag war im Winter 1985, als ich nach einem Jahr im Krankenhausbett liegend, mit viel Zeit, um über mein Leben nachzudenken, mit einer sehr schlechten Prognose über die Dauer und die Qualität meiner restlichen Lebenszeit endlich entlassen wurde und mir eine Anzeige in einer Berliner Zeitung in die Hände fiel: "Puppentheater sucht nebenberuflich technische Aushilfe".

Ich selbst saß, da ich eine Rente ablehnte, als ehemaliger Requisiteur des Deutschen Theaters, in einem Pförtnerhäuschen auf dem Hof desselben, an einer Schranke, die ich nicht bedienen konnte, da sie kaputt war und dachte, das könnte vielleicht was sein. Seitdem habe ich u.a. in Netzeband, Frankfurt/Oder, Helsinki/Finnland, Bad Kissingen, Karlsruhe und Bonn gelebt und an dortigen Theatern u.a. als Puppenspieler, Puppenbauer und Ausstatter gearbeitet, war etliche Jahre an Tourneetheatern und bin durch halb Europa gereist, habe nun hier in Chemnitz meinen Lebensmittelpunkt und warte immer noch auf das Eintreten der ärztlichen Prognose über die Dauer und die Qualität meiner restlichen Arbeitszeit. Allerdings gibt es dazu noch viel mehr zu sagen.

Vielleicht habt Ihr Lust, Zeit und Gelegenheit, mich das nach dem Besuch eines unserer Gastspiele zu fragen und wenn ich auch Lust, Zeit und Gelegenheit habe, dann könnte es darauf noch eine lange Antwort geben.

Kay:

Mit dem Puppenspiel ist das meiner Meinung nach fast ein bisschen so wie mit dem Phänomen Modelleisenbahn:

Als Kind sieht man darin eher ein phantastisches Spielzeug, welches man über alles liebt. Irgendwann wird`s dann "uncool" - man distanziert sich von dem "Kinderkram". Doch so manch eine/r entdeckt diese kindliche Liebe dann im Erwachsenenalter neu und beginnt ( so wie ich ) sich auch ernsthaft damit zu beschäftigen. Somit kann man die eigene Begeisterung wiederum an die Jüngsten weitergeben, von denen später vielleicht diese oder jener...... Und so schließt sich der Kreis.

Naja - und wenn man dann nach der Vorstellung in leuchtende Kinderaugen ( und nicht selten auch in "erwachsene" ) blickt und weiß, dass man bei allem Spaß sogar noch Wissenswertes vermitteln konnte - gehört das für mich zu den wunderbarsten Augenblicken im Leben!

Ivonne Fischer (Mitte)
Organisation, Stückkonzeption, Puppenspiel

Michael Schmidt (rechts)
Puppenbau, Bühnenbild, Puppenspiel

Kay Haberkorn (links)
Stückkonzeption, Puppenspiel

Thomas Weidauer
Puppenspiel

Bernd Häußler
Puppenspiel